Blog von Dennis Buchmann
BMW & BND: Konzern wollte Journalisten prüfen lassen
Anlässlich der Eröffnung des neuen Münchner BMW-Erlebnis- und Auslieferungszentrums "BMW Welt" am 17. Oktober sollten nur jene Journalisten Zugang bekommen, die von Polizei, Verfassungschutz und BND überprüft worden sind. BMW-Sprecher Markus Sagemann tat das, was sein Name verspricht: Er sagte der dpa, es handele sich immerhin um ein sehr großes Ereignis mit BMW-Anteilseignern, Würdenträgern aus Politik und anderen Gesellschaftsbereichen sowie Gästen aus aller Welt und die Sicherheitsvorkehrungen dienten dem Schutz der Teilnehmer und seien mit den Behörden abgestimmt.
"Im Kern läuft es darauf hinaus, dass die Landeskriminalämter entscheiden, wer akkreditiert wird und wer nicht", kritisierte BJV-Geschäftsführerin Frauke Ancker - mit Erfolg. BMW hat den Plan zurückgezogen, nun reichen Presse- und Personalausweis zur Akkreditierung.
Jetzt muss BMW also mit dem Sicherheitsrisiko "Journalisten" fertigwerden. Der BND hätte die Attentäter unter ihnen heraus filtern können. Aber Gefahr besteht weiterhin durch Kugelschreiber, die den Promis auf die Schuhe fallen oder bei einer unbedachten Körperdrehung im Auge hängenbleiben. Das wäre natürlich skandalös für jene, die so wichtig sind, dass sie zur Eröffnung der "BMW Welt" kommen.
via: newsroom/dpa
Presserat verteilt Rügen - Bielefeld gewinnt vor BILD!
Die Beschwerdeausschüsse des Kontrollgremiums des Deutschen Presserats haben bei ihren jüngsten Sitzungen fünf Rügen ausgesprochen. Zwei dieser Rügen gehen an die BILD; war aber nichts Großes: wegen Vorverurteilung eines 19-jährigen mutmaßlichen Straftäters und wegen unzulässiger Suizidberichterstattung. Die Rügen blieben nicht-öffentlich, aber gut zu wissen, dass der Presseratg trotz des täglichen BILD-Boulevard-Geballers noch nicht abgestumpft ist und überhaupt reagiert.
Eine ebenfalls nicht-öffentliche Rüge ging an den "Rundblick Nord-Report" dessen Verlag (Drei-Quellen-Verlag) in Hannover sitzt: Er hatte Russlanddeutsche als "Landplage" bezeichnet. Da hat der Verlag wohl nur aus der rechten Quelle geschöpft.
Die öffentlichen Rügen gingen beide in die heimliche Medienhauptstadt Bielefeld: Die "Neue Westfälische" erhielt eine, weil sie in zwei Artikeln auf der Titelseite und der ersten Lokalseite die neue Bio-Pizza eines regionalen Produzenten ausführlich und positiv gewürdigt hatte. Der Presserat sieht "die Grenze zur Schleichwerbung überschritten". Die zweite öffentliche Rüge kassierte die Zeitschrift "Aktiv Radfahren" für ihr Spezialheft "RadParadiese 2007", weil Textauszug und Fotomotiv einer Bahn-Anzeige in redaktionellen Beiträgen auftauchten.
Damit gewinnt Bielefeld mit zwei öffentlichen Rügen vor dem als unschlagbar geltenden Top-Favoriten BILD mit zwei nur nicht-öffentlichen Rügen! Hut ab, Bielefeld!
via: kress
Diekmanns Karre angezündet! Staatsschutz ermittelt
Der Privat-Mercedes von "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann wurde von unbekannten Tätern vor seinem Wohnhaus im noblen Hamburger Stadtteil Harvestehude angezündet und durch die Flammen total zerstört.
Diekmann wollte sich zum Anschlag und den möglichen Motiven der Täter nicht äußern. Er hielt nur fest, dass es sich nicht um ein Luxusauto, sondern einen Familienkombi handle, einen Mercedes der R-Klasse. Ein Mercedes der R-Klasse kostet zwischen 47.000 und 70.000 Euro.
Nach dem Anschlag hat der Staatsschutz die Ermittlungen aufgenommen. Staatsschutz klingt in Zeiten der linken G8-Gegner-Terrors einfach passender als nur Kripo. Aber auch der Verfassungschutz, der BND oder der militärische Abschirmdienst gehören laut Wikipedia zum Staatsschutz. Jedenfalls vermutet die Polizei den oder die Täterr im linksradikalen Milieu. Die Proteste gegen den G8 Gipfel könnten damit in Zusammenhang stehen. Hinweise auf die Brandstifter gibt es noch nicht, auch ein Bekennerschreiben liegt nicht vor. Hamburgs Bürgermeister von Beust sagte, er werde nicht hinnehmen, dass in der Stadt ein Klima der Angst geschürt werde.
Kais Karre wird angezündet und Ole redet von einem Klima der Angst. Und der alternative Verfassungsschutzbericht spricht von einem Abbau der Grundrechte und einem überzogenen Sicherheitsbedürfnis. Aber eine kleine Razzia zu Ehren von Kai ist bestimmt noch drin...
Google arbeitet mit AFP zusammen
Die Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) und Google arbeiten künftig zusammen. Eine am Freitag unterzeichnete Lizenzvereinbarung sieht vor, dass Google Texte und Fotos von AFP verwenden darf, wie beide Unternehmen mitteilten. Die vereinbarte Kooperation werde Internetnutzern über die Google-Dienste einen leichten Zugriff auf Nachrichten und Bilder von AFP verschaffen, hieß es.
Mit der Vereinbarung legten beide Unternehmen einen jahrelangen Rechtsstreit bei. AFP hatte 2005 in den USA und Frankreich gegen den US-Internetgiganten geklagt. Die Nachrichtenagentur warf Google vor, unerlaubt Texte und Fotos aus den AFP-Diensten zu übernehmen und damit das Urheberrecht zu verletzen. AFP arbeitet bereits mit anderen weltweit führenden Internetportalen wie Yahoo, AOL und MSN zusammen.
Tageszeitungen: Vom Chronisten zum Wegweiser. Forscher der Uni Hohenheim ermitteln Wechsel im Selbstverständnis der Medien
Die Tageszeitung bleibt Leitmedium Nr. 1 - von dieser Überzeugung hat sich die Hälfte der Chefredakteure deutscher Tageszeitungen inzwischen verabschiedet. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Studie des Fachgebiets Kommunikationswissenschaft und Journalistik der Universität Hohenheim. War es vor fünf Jahren noch die Konjunkturflaute, die unter Chefredakteuren als Ursache für die Zeitungskrise galt, erkennt die Mehrheit inzwischen ein verändertes Nutzungsverhalten als größte Herausforderung für die Zukunft. Demnach wird die Zeitung der Zukunft stärker vom Nutzen und der Betroffenheit der Leser gesteuert. Die Berichterstattung über die Ereignisse des Tages verliert dagegen an Bedeutung.
Die Problemwahrnehmung der Chefredakteure innerhalb der vergangenen fünf Jahre hat sich geändert: Im Vergleich zur Chefredakteurs-Umfage im Jahr 2002, bei der noch in erster Linie die Konjunktur (94,1 Prozent) als Ursache für die Probleme der Zeitungen gesehen wurde, sind es nun das veränderte Nutzungsverhalten der Menschen (74,7 %) und das Internet als Konkurrenzmedium (48,8 %). Während sich die konjunkturelle Lage aktuell etwas entspannt hat, treten nun also langfristige, strukturelle Veränderungen auf dem Lesermarkt in den Vordergrund.
Trotz der erweiterten Angebote der Verlage bilden die Tageszeitungen nach Ansicht von 85,9 Prozent der Befragten den Kern der Marke. Allerdings glaubt nur noch jeder zweite Redaktionsleiter (52,9 %), dass die Tageszeitung das aktuelle Leitmedium schlechthin bleibt. Die Berichterstattung über die Ereignisse des Tages wird - so zwei Drittel der befragten Chefredakteure (61,9 %) - an Bedeutung verlieren, dafür wird die Auswahl der Themen stärker vom Nutzen und der Betroffenheit der Leser gesteuert.
"Tageszeitungen werden vom Berichterstatter zum Kompass im Informationsdschungel, vom Kartographen, der die Erde vermisst, zum Polarstern, der dem Einzelnen im Alltag die Richtung für die Orientierung weist", erklärt Prof. Dr. Claudia Mast vom Fachgebiet Kommunikationswissenschaft der Universität Hohenheim.
Dass die Papierform für die Tageszeitung der Zukunft keine Rolle mehr spielen wird, glauben die Chefredakteure indes nicht. Neun von zehn Befragten (87,4 %) sind der Ansicht, dass elektronische und mobile Verbreitungswege die gedruckten Zeitungsausgaben nicht verdrängen.
An der Umfrage im Dezember 2006 beteiligten sich 87 der 138 Chefredakteure deutscher Tageszeitungen mit Vollredaktion.
Neuer Studiengang: Medien-Design
Die Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel (FH) bietet mit dem 6-semestrigen Bachelor-Studiengang Medien-Design einen neuen Studiengang an. Er richte sich an alle, die Interesse haben, Medien verstehen, gestalten und produzieren zu lernen, heißt es in einer Pressemitteilung. Leitidee sei, eine qualifizierte Hochschulausbildung mit Praxiswissen zu vereinen. Den Studierenden würden umfassende Grund- und Fachkenntnisse über die Neuen Medien sowie branchenspezifische Anwendungen vermittelt.
Das Studium ziele darauf ab, primär kreative und gestalterische Fähigkeiten zu entwickeln, um in einem dynamisch geprägten Berufsfeld von Medien, Design und Kunst erfolgreich zu arbeiten. Im Mittelpunkt der Ausbildung stehe: Mediale Produkte von Menschen für Menschen zu gestalten und sich kritisch mit den Formen, dem Gebrauch, Nutzen und Einfluss von Information und Kommunikation auseinander zu setzen. Im Hinblick auf den innovativen Mediensektor habe das Studium aber kein starres Berufsziel. Einsatzbereiche seien in Medien-, Werbe- und Kreativagenturen möglich sowie in Verlagen oder im PR-Bereich.
Infos: http://www.fh-wolfenbuettel.de/fks/studienangebot/mediendesign/
ZDF will die Hälfte seines Programms im Netz anbieten
Bis Ende des Jahres will das ZDF die Hälfte seines Fernsehprogrammes in der hauseigenen Mediathek online anbieten. Für lau. Schon seit 2001 bietet der Sender zahlreiche Serien, Nachrichten und Talkshows zum Abruf im Internet an, zur Zeit ist das etwa ein Viertel des Programms. Rund 4,5 Millionen Videoabrufe verzeichnet das ZDF laut eigenen Angaben pro Monat - beim deutschen YouTube-Pendant MyVideo sind es 6 Millionen pro Tag.
Problematisch ist die Rechtesituation bei Sendungen wie Spielfilmen oder Sportereignissen. Hier muss das ZDF für Abruf-Lizenzen draufzahlen. Doch ein schmuckes Online-TV-Angebot rechtfertigte nebenbei jene GEZ-Gebühren, die seit Anfang des Jahres auch für Computer zu zahlen sind.

