Kommentar: Abschiedsgeschenk

Rita Nikolow – 19. Februar 2007 – 19:59
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Abschiedsgeschenk

Fünfzehn Jahre lang hat Ulrich Wickert
die Tagesthemen moderiert. Da hat er
sich ein Geschenk verdient - eine eigene
Sendung. Sein ZDF-Kollege, der elegante
Wolf von Lojewski, erhielt zu seinem
Ausstieg ein eigenes Wissensmagazin,
Wickert tendiert eher zu Lesestoff.
„Wickerts Bücher“ heißt seine neue Sendung,
in der er alle vier Wochen bei Käse
undWein mit Schriftstellern über Literatur
plaudern möchte. Die Ausstrahlung
der ersten Sendung, ein Gespräch mit
Günther Grass, wurde wegen des großen
Interesses an „Beim Häuten der Zwiebel“
vorgezogen - und bescherte der ARD
Traumquoten. Wickerts neue Büchersendung,
die wie die Johannes-B-Kerner-
Show von A+I produziert wird, muss sicher
auch in Zukunft nicht über Zuschauermangel
klagen:Wickert sells.
Schade nur, dass die ARD ihre zweite
Büchersendungweiter vor demlesefreudigen
Publikum versteckt:Amersten Sonntag
im Monat um 23:30 Uhr. „Druckfrisch“
ist das beste,was das deutsche Bücherfernsehen
zu bieten hat. Seit Februar
2003 geht Denis Scheck, Literaturkritiker
beim Deutschlandfunk und Deutschlandradio,
einmal im Monat auf Sendung:
Im Zoo, in leeren Swimmingpools
alten Fabrikhallen oder auf der grünen
Wiese spricht der kleine schwäbelnde
Kritikermit Autoren: intelligent und interessiert,
aber niemals anbiedernd.
Ohne Gnade nimmt er er sich jeden Monat
die Top Ten der Spiegel Bestsellerliste
vor: Hat Herrn Scheck ein Buch gefallen
darf es bleiben, der Rest - alles, was Zeit
verschwendet: Literatur von Paulo Coelho,
Eric-Emmanuel Schmitt, Dietrich
Grönemeyer oder dem Simplify-Papst
Werner T. Küstenmacher, fliegt mit einem
Wumm in die stets mitreisende
Tonne. „Druckfrisch“ ist intellektuell
und kurzweilig, temporeich - und hat
Tiefe. Wer Spaß an Literatur hat, wird
sich informiert und unterhalten fühlen.
UndUlrichWickert haben wir in den letzten
15 Jahren ja eigentlich oft genug gesehen.